Änderung Steuergesetz: Rücknahme der Verlustgrenze von 10.000 Euro?

Steuergesetz Trading Verlustgrenze

Seit Ende des Jahres 2019 beschäftigt die Trading-Welt die umstrittene Änderung des Steuergesetzes. Konkret handelt es sich um die Änderung des §20 Abs. 6 des Einkommenssteuergesetzes zur Begrenzung der Verlustverrechnung auf 10.000 €. In diesem Artikel geben wir ein Update zum aktuellen Stand.

Es war einmal am 30. Dezember 2019 

Vor fast genau einem Jahr, am 30. Dezember 2019, wurde das neue „Gesetz zur Einführung einer Pflicht zur Mitteilung grenzüberschreitender Steuergestaltungen“ veröffentlicht, welches erst am 21. Dezember 2019 beschlossen wurde. Ein Gesetz, das ausnahmslos alle privaten Investoren und Trader in Panik versetzt.

Bundesanzeiger Nr. 52 vom 30.12.2019

Im Artikel 5 zur Änderung des Einkommenssteuergesetzes wird die Höhe der Verlustverrechnung auf 10.000 € begrenzt. Dies gilt ab 2020 bereits für das Trading mit Aktien und ab 2021 auch für sogenannte Termingeschäfte, wie Futures und auch CFD´s!

Doch was bedeutet diese Änderung konkret? Eine kleine Beispielrechnung:

(Keine Steuerberatung!)

Erzielt ein privater Trader im Jahr 2021 einen Gewinn von 20.000 €, der sich aus kumulierten Gewinntrades von 50.000 € abzüglich kumulierter Verlusttrades von 30.000 € zusammensetzt, darf dieser Trader nur noch 10.000 € der Verlustrades anrechnet.

Daraus folgt, dass dieser private Trader seinen Gewinn von 20.000 € wie 40.000 € versteuern muss (50.000 € Gewinntrades – 10.000 € maximaler Verlustabzug = 40.000 €). Bei einer Kapitalertragssteuer von 26,375% (KapSt + Soli, ohne Kst.) ergibt sich eine theoretische Steuerlast von 10.550 €, oder ein Nettogewinn von 9.450 €. 

Anders sieht es allerdings schon aus, wenn dieser Trader nur 10.000 € Gewinn (50.000 € Gewinntrades – 40.000 € Verlusttrades) im Jahr 2021 erzielt hat. Denn auch hier sind statt dem realen Gewinn von 10.000 €, die oben bereits genannten 40.000 € zu versteuern. Und hier zeigt sich der Irrsinn dieser Gesetzesänderung.

Nun müsste dieser Trader nicht nur seinen kompletten Gewinn an das Finanzamt abführen, sondern legt dafür auch noch 550 € drauf! Natürlich muss ein Steuerberater jeden Fall prüfen, da wir hier nur die Sachlage deutlich machen können, jedoch nicht die Kompetenz für eine Steuerberatung besitzen.

Eines ist jedoch klar. Mit diesem Gesetz besteht nicht nur das allgemeine Verlustrisiko, das der Börsenhandel seit Beginn schon mit sich bringt, sondern ein zusätzliches finanzielles Risiko für den privaten Trader. 

Dabei trifft dies, wie vielleicht schon raus zu lesen ist, ausschließlich die privaten Anleger und Trader! Denn für diejenigen, die im Rahmen einer Kapitalgesellschaft (GmbH, UG, etc.) traden, gilt das Körperschaftsteuergesetz.

Zwischenzeitliches Aufatmen

Am 09. Oktober 2020 hat u.a. der Finanzausschuss im Bundesrat eine Empfehlung zum neuen Steuergesetz getätigt. Hier heißt es auf Seite 21:

„Der Bundesrat spricht sich für die Streichung der 2019 (BGBl. I 2019, 2875) geschaffenen neuen Verlustverrechnungsbeschränkungen im Bereich der Einkünfte aus Kapitalvermögen aus.“

Im Folgenden wird erläutert, dass 2009 das Grundprinzip der symmetrischen Besteuerung eingeführt wurde und das neue Gesetz mit diesem Grundprinzip bricht. Dabei gibt der Bundesrat auch eine ausführliche Einschätzung zu deren Auswirkungen ab. Den Text haben wir unten ebenfalls verlinkt. 

Bundesrat Drucksache vom 09.10.2020

Der aktuelle Stand (14.12.2020)

Leider können wir an dieser Stelle keine Entwarnung geben. Das Handelsblatt berichtete am 08.12.2020, dass die große Koalition aus CDU und SPD das neue Einkommenssteuergesetz nicht wie vom Bundesrat empfohlen zu streichen, sondern hier lediglich nachzubessern.

Nach dieser Meldung wird die Höhe der Verlustverrechnung von 10.000 € auf immerhin 20.000 Euro angehoben. Das ändert zwar nichts am neuen Verfahren, jedoch entlastet dies zumindest etwas die kleineren Trader. Auch wenn dies nur ein sehr kleiner Wermutstropfen ist.

In jedem Fall kommt für alle privaten Trader ein enormer Mehraufwand für die Bereitstellung der Steuerunterlagen hinzu und zusätzlich das Risiko einer deutlichen Erhöhung der Steuerbelastung.

Der Risikohinweis von Produktanbietern im Trading für Deutschland könnte dann um „… eine Steuerbelastung, die auf Grund der Verlustverrechnung gemäß Einkommenssteuergesetz vom 12.2019 für private Anleger in Deutschland Ihre Gewinne übersteigen…“ erweitert werden.

Fazit

Das neue Einkommenssteuergesetz bereitet vielen privaten Tradern und Brokern ebenso ziemliche Kopfschmerzen. Kleinere Trader dürften, außer einem deutlichen Mehraufwand in der Erstellung der Steuerunterlagen, bis zu einem gewissen Grad kaum betroffen sein. Größere private Trader müssen nach Alternativen suchen.

Eine Möglichkeit wäre das Trading innerhalb einer Kapitalgesellschaft zu betreiben. Hier greift dann das Körperschaftsteuergesetz. Ob sich der Mehraufwand für Buchhaltung, Bilanzierung und Bürokratie lohnt, das muss jeder selbst herausfinden.

David Warney, Geschäftsführer der Algo-Camp GmbH, hat zu diesem Thema ein Video auf YouTube veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=K0fuH0qu3Qk

Sollte sich an der aktuellen Fassung des Gesetzes etwas ändern, dann werden wir hier ein Update dazu geben.