Hafensänger, YouTube-Trader, Instagram-Trader

Müssen bzw. dürfen erfolgreiche Trader nur still und heimlich in ihrer Kammer traden? Sind sie zu meiden, wenn Sie regelmäßig Videos, Artikel oder Podcast veröffentlichen?

Sind YouTube-Trader wirklich Betrüger?

In der Trading-Welt ist ein Thema immer wieder aktuell: Trader die ihren vermeintlichen Erfolg bei YouTube, Instagram und Co. veröffentlichen. Wir kennen sie alle: Sie tragen ihre Rolex bzw. Breitling am Arm und bewegen mindestens 500PS durch die Straßen. Sie leben das Leben aus unseren Träumen. Wir als Trader können uns über die Motivation freuen. Wir haben den Beweis, dass das Trading funktioniert. Oder doch nicht?

Die Gegenseite der YouTube-Trader

Nicht alle erfreuen sich über die “YouTube-Trader”. Die Gegenseite sieht es hier ganz anders!

  • “Meidet diese YouTube-Trader!”
  • “Die Hafensänger könnt ihr in die Tonne treten!”
  • “Echte Trader haben keine Zeit für YouTube…”
  • “Labern alle nur Sch**e!”
  • “Wenn sie profitabel traden können, dann brauchen die kein YouTube und Instagram!”

Oft werden Trader die auch in der Öffentlichkeit stehen dafür kritisiert. Die Gegenseite vertritt hier oft die Meinung, dass alle Trader die wirklich profitabel am Markt sind nichts anderes machen “dürfen”. Ein Trader sollte den ganzen Tag traden und hat somit auch keine Zeit für einen Auftritt im Social Media (YouTube, Instagram, TikTok usw.). Profitable Trader verdienen genug Geld mit dem Trading und haben es somit auch nicht nötig, Zeit und Energie in solche Medien zu stecken.

Zugegeben: Im ersten Moment klingt die Begründung plausibel. Wieso sollte man sich den Stress antun wenn wir doch in Ruhe zu Hause für uns traden können? Ohne auch nur mit einem Menschen reden zu müssen.

Beschränkte Sicht

Genau, im ersten Moment klingt die Begründung plausibel. Denken wir aber nur 1-2 Schritte weiter, so merken wir ganz schnell dass die Begründungen lediglich vorgeschoben sind. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen. Das Internet ist gut gefüllt mit Fake- bzw. Demo-Tradern. Personen die keine Ahnung vom Trading haben und somit auch nicht profitabel am Markt unterwegs sind. Sie wollen einfach Kurse, Seminare, Strategien oder ähnliches verkaufen. Wie in jedem Bereich auf dieser Welt.

1. Mehrere Einkommensströme

Als guter Trader sollten wir wissen, dass wir uns immer breit aufstellen sollten (Stichwort Diversifizierung). Im Trading sollten wir mehrere Assets mit mehreren Strategien handeln. Der Markt ist stark trendig? Perfekt! Unsere Trendfolgestrategie verdient Geld. Der Markt befindet sich in einer Seitwärtsphase? Gut, dass wir eine Strategie für solche Phasen auch parat haben.

Wie sieht es mit Tradern aus, die ihre Gewinne mit der Zeit in Immobilien, Beteiligungen an Firmen oder in andere Sachanlagen investieren? Sind die dann auch “zu meiden” oder “Betrüger”? Weil sie mit dem Trading genug Geld verdienen und es “nicht nötig haben”?

Jeder guter Unternehmen wird auch mehrere Produkte bzw. mehrere Firmen besitzen bzw. steuern. Es kann schließlich immer passieren, dass Märkte, Gesetze, Konkurrenten oder andere Faktoren einzelne Geschäfte einbrechen lassen (wir sehen es aktuell in Zeiten von Corona). Wer hier nicht breit aufgestellt ist, der wird früher oder später stark zu kämpfen haben.

Wo ist hier das Problem, wenn ein Trader sein Wissen an andere Trader weitergibt? Durch Seminare, Webinare, Strategien, Coachings oder in welcher Form auch immer. Sein Wissen ist wertvoll und kann daher auch zu Geld gemacht werden. Jeder Azubi auf der Welt wird schließlich auch von einer Fachkraft ausgebildet, die ihr Handwerk beherrscht. Wenn ein Unternehmen wie Siemens Mitarbeitet ausbildet, sind es dann auch “Betrüger”? Nein, natürlich nicht.

2. Sichtbar werden

Dass es sinnvoll ist, sich ausbilden zu lassen werden wir früher oder später merken. Wir können uns das Thema entweder selbst beibringen oder wir gehen zu einer Person, die bereits traden kann.

Wie sollen frische Trader nun die Mentoren bzw. Coaches finden? Wenn alle erfolgreichen Trader im Internet nicht aktiv sein dürfen, dann würden Neulinge in dem Gebiet ausschließlich auf Betrüger aufmerksam werden.

3. “Keine Zeit!”

“Ich als Trader habe gar keine Zeit für Videos, ich trade ja auch!” Diese Aussage sagt in der Regel mehr über die Person aus, die sie tätigt als über die vermeintlichen “Fake” YouTube-Trader.

Nur weil ein Trader selbst es nicht schafft (Strukturierter Tagesablauf, Planung, Selbstdisziplin usw.) Zeiten für YouTube, Instagram, Facebook usw. einzuräumen heißt es nicht, dass jeder Trader das nicht schafft.

Das ist quasi so, als ob ein Trader seit Jahren Geld am Markt verliert und dann behauptet: “Trading funktioniert nicht. Reiner Betrug!”

Das hat rein gar nichts mit dem Trading zu tun. Der eine Trader hat es einfach nicht geschafft.

Ähnlich ist es mit den “YouTube-Tradern” bzw. “Hafensängern”. Sie sind einfach besser strukturiert.

4. Der finale Widerspruch

Am Ende des Tages haben einige Trader die in Richtung “YouTube-Trader” schießen Angst. Sie haben Angst um ihre eigene Relevanz. Das ist auch vollkommen in Ordnung und menschlich. Wer will schon zusehen, wie die eigene Community zur Konkurrenz abwandert? Keiner.

Viele dieser Trader widersprechen sich hier mit ihren eigenen Aussagen. Für YouTube, Instagram usw. haben sie keine Zeit und da ihr Trading funktioniert, brauchen sie auch keine Einnahmen nebenbei.

Und dann vermarken sie ihre Seminare, Coachings, Online-Kurse und verdienen beim Broker für die geworbenen Kunden mit.

Verrückt, oder?