Negtiver Ölpreis als Folge der Coronakrise – WTI Öl erstmals im freien Fall unter Null

Die weltweite Krise im Gefolge des Coronavirus wirkt sich aktuell rasant auf den Ölpreis aus: Das erste Mal in seiner Geschichte überhaupt erreichte WTI Öl einen negativen Bereich.

Der freie Fall ist nicht mehr aufzuhalten, Panik am Markt macht sich breit und der Preis bricht um 37 ein. Es herrscht Chaos und Experten sprechen bereits von einem historischen Absturz. Derartige Entwicklungen hat es zuvor zu keinem Zeitpunkt gegeben. Konkret bedeutet das: Die US-amerikanischen WTI Preise (Western Texas Intermediate) sind mit Beginn dieser Woche ins Bodenlose gesunken und erreichten einen Preis von minus 37,63 Dollar pro Barrel, das sind 159 Liter. Besitzer von Öl kamen dabei in arge Bedrängnis und mussten sogar Geld bieten, um es wieder loszuwerden. Termingeschäfte mit Öl wurden zu einer schweren Last sozusagen als Kettenreaktion infolge der weltweiten Coronakrise. Die geringe Nachfrage dank der Pandemie machte allen an Termingeschäften Beteiligten, die davon ansonsten in guten Zeiten stark profitieren, einen dicken Strich durch die Rechnung. Denn Termin und Coronakrise fielen in diesem Frühjahr auf nie dagewesene Art und Weise unglücklich zusammen: So wenig Öl wurde noch nie nachgefragt, seit es den Ölmarkt in dieser Form überhaupt gibt. Der Flug-und Fahrverkehr stand nahezu still und auch die Produktion in Fabriken kam weitgehend zum Erliegen. Öl wurde von heute auf morgen nicht mehr gebraucht und die Ölproduktion wurde gekürzt. Daraufhin einigte sich die OPEC als Ölkartell mit ihren weltweiten Kooperationspartnern: Zunächst für die Monate Mai und Juni wurde eine Kürzung der Produktion um 10 Millionen Barrel/Tag angekündigt mit dem Ziel, den Überschuss an Öl auf der Angebotsseite zurückzufahren und somit den Ölpreis in eine stabile Lage zu bringen. 

So wenig Öl wurde noch nie nachgefragt

Termingeschäfte, auch bezeichnet als Zeitgeschäfte, wie in diesem Fall mit Öl gelten als äußerst spekulativ, da der vereinbarte Termin für Zahlung und Lieferung nach Vertragsabschluss in die Zukunft verschoben wird. Die Händler zahlen dabei einen festen Preis für das vertraglich bestellte Öl, geliefert wird zu einem späteren Termin. Es besteht allerdings die Möglichkeit, Verträge für WTI Öle aus den USA noch bis zu Dienstag dieser Woche, 21. April 2020, zu kündigen. Allerdings nur dann, wenn der Liefertermin in den Mai fallen würde. Ein zufälliges Zusammentreffen wie mit dem Wirtschaftseinbruch durch die Coronakrise hat es in dieser Form bei Termingeschäten mit WTI Öl zuvor noch niemals in der Wirtschaftsgeschichte gegeben. Die Drosselung der Ölproduktion und der Verfall der Preise sind somit direkte, nicht vorhersehbare Folge der Pandemie. Nicht nur der Preis für US-amerikanisches Öl, auch derjenige für das Nordseeöl Brent zwischen den Shetlandinseln und Norwegen fällt rapide. Parallel dazu sind die Tanks randvoll und es könnte zu einem globalen Totalzusammenbruch der Ölpreise kommen. Zu allem Überfluss liefern sich die Ölförderländer Saudi-Arabien und Russland derzeit einen regelrechten Ölpreiskrieg. Extrem hohe Fördermengen bei gleichzeitig extrem niedriger Nachfrage könnten die negative Entwicklung noch weiter dramatisch befeuern. Nach aktuellen seriösen Schätzungen wird mittlerweile 20 bis 30 Prozent weniger Öl benötigt als in Zeiten vor der Coronakrise. Die Turbulenzen rund um die Preise für Öl werden noch eine Weile anhalten und einige Ölförderer mussten bereits ihren Bankrott erklären.