Was können wir aus Wirecard lernen?

Wirecard - Das aufstreben Unternehmen Made in Germany. Aus der Garage und rein in den deutschen Aktienindex. Konnte man mit der Aktie Geld verdienen? Wenn wir "Jan Marsalek" heißen dann sicherlich.

Wirecard Betrug

Wenn Trader und Investoren an Wirecard denken, dann denken sie sicherlich auch direkt an die große Position in ihrem Konto, die man nicht für 1,50 € verkaufen möchte. “Vielleicht steigt sie ja nochmal!”
Zugegeben: Ich persönlich halte meine Wirecard-Position auch noch. In der Regel stirbt die Hoffnung zuletzt – An der Börse stirbt sie jedoch relativ früh.

Das lernen wir aus dem Vorfall

Was wir aus dem Vorfall gelernt haben, können wir eigentlich kurz und knapp sagen: Wir können uns auf keine Person, auf keinen Prüfer, auf keine Kennzahl, auf keinen Notar, auf keinen Algorithmus und auf keine Aufsicht zu 100 % verlassen!

Je größer ein Unternehmen ist, desto schwieriger wird es dieses Unternehmen zu kontrollieren und zu prüfen. Geldflüsse, Verträge und Verflechtungen mit andere Unternehmen können nur schwierig geprüft werden und noch schwieriger sicher geprüft werden.

Wenn ein Unternehmen z.B. Dienstleistungen von einer Offshore-Gesellschaft bezieht, wie soll hier sichergestellt werden, dass das Unternehmen nicht einer Strohpuppe gehört und so Geld aus dem Unternehmen gezogen wird?

Wenn das börsennotierte Unternehmen einer anderen Gesellschaft (ebenfalls wieder eine Briefkastenfirma des Geschäftsführers) ein Darlehen gewährt mit dem Plan, es nicht mehr zurückzuzahlen, wie soll das geprüft werden? Klar, es kann nachgeforscht werden wie und ob die Bonität des Unternehmens war. Aber was ist, wenn die Briefkastenfirma ebenfalls gefälschte Zahlen auf den Tisch legt?

Wenn ist, wenn ein externes Unternehmen (wieder eine Briefkastenfirma) das börsennotierte Unternehmen für ein sehr großes Volumen beauftragt, ohne jemals dafür bezahlen zu können? Die Pressemitteilungen und Bilanzen erfreut die Anleger und lässt die Börsenkurse wieder steigen.

Der Kursverlauf der Wirecard-Aktien: Vom Zero to Hero und zurück.

Diese Liste hat eigentlich kein Ende. Es gibt so viele Möglichkeiten um zu täuschen. Wo große kriminelle Energie herrscht, da herrscht auch große Kreativität um Mittel und Wege für den Betrug zu finden. Besonders dann, wenn die Anreize (z.B. 1,9 Milliarden €) sehr groß sind.

Soll das nun bedeuten, dass wir keine fundamentale Analyse mehr betreiben sollen? Nein! Wir sollten jetzt nicht in Angst und Panik verfallen. Das soll gar nicht unser Ziel sein. Vielmehr sollte uns durch Wirecard nochmals bewusst werden wie wichtig es ist, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Wir alle kennen das Sprichwort und sehr viele wenden es nicht an.

Der Totalverlust und die Diversifizierung

Wieso haben einige Anleger oder Trader ihr gesamtes Kapital durch den Wirecard-Betrug verloren? Weil “die böse Börse” so gefährlich ist? Weil alles nur Betrug ist? Nein! Weil sie alles auf ein Pferd gesetzt haben. Sie haben im Casino alles auf rot gesetzt und dann kam die grüne 0!

Das hatte nichts mit einer professionellen Anlage oder mit Vermögensaufbau zu tun. Ich persönlich würde heute auch nicht alles auf Apple oder Tesla setzen.

Bilanzen zu lesen alleine schützt uns nicht vor einem Totalverlust wie bei Wirecard. Eine gesunde Diversifizierung hingegen schon. Wer z.B. nur 5-10 % seines Kapitals in Wirecard-Aktien gesteckt hätte, der hätte nur einen kleinen und kurzen Rücksetzer in seinem Depot bemerkt. Kein Weltuntergang, sondern eher ein kurzes Abbremsen.

Fazit

Wir können auch ohne eine gesunde Diversifizierung Glück haben. Aber wir wollen an der Börse nicht antreten um Glück zu haben. Die Aktien fundamental zu analysieren ist richtig und gut – Aber keine Garantie. Also lautet unser Vorsatz für 2021: Diversifizierung.